Es gibt Momente, in denen man sich an die eigene Kindheit erinnert und plötzlich denkt: Warte mal kurz.
Ich bin Millennial. Aufgewachsen mit Kassetten, Butterbroten vor dem Fernseher und – wie so viele meiner Generation – mit Meister Eder und seinem Pumuckl. Ein alter, weißer Handwerksmeister aus München. Und sein bester Freund? Ein rothaariger, unsichtbarer Kobold mit der emotionalen Reife eines Grundschulkindes und null Interesse daran, jemals erwachsen zu werden. Die beiden lebten zusammen, stritten sich, versöhnten sich, und Meister Eder stellte nie wirklich in Frage, warum das sein Leben geworden war.
Wenn man das heute so beschreibt… ist das eigentlich ein älterer Herr mit einem deutlich jüngeren Mitbewohner, der komplett von ihm abhängig ist und ihn trotzdem ständig auf Trab hält. Wir nannten das damals einfach „niedlich“.
Und weißt du was? Ich finde das großartig.
Nicht im ironischen Sinne – sondern weil es zeigt, dass unsere Generation mit Figuren und Konstellationen aufgewachsen ist, die sich um Schubladendenken herzlich wenig geschert haben. Das Sams in Deutschland war ein pinkes Wesen ohne klar zugeordnetes Geschlecht, das Wünsche erfüllte und Chaos stiftete – heute würde man sagen: nonbinär, chaotisch-neutral, absolut iconic. Und in Österreich? Da gab es Tom Turbo, ein Fahrrad. Ein Fahrrad, das Fälle löste, Freundschaften schloss und sich ganz offensichtlich als mehr als ein Fortbewegungsmittel verstand. Ob das Identifikation war oder einfach gutes Kinderprogramm – egal. Wir haben’s geliebt und nie hinterfragt.
Vielleicht erklärt das etwas.
Während Boomer-Kommentarspalten regelmäßig kollabieren, wenn jemand über unkonventionelle Beziehungsformen oder Geschlechtsidentitäten spricht, zucken viele Millennials eher mit den Schultern. Nicht aus Gleichgültigkeit – sondern weil wir irgendwie schon immer gewohnt waren, dass Freundschaft, Familie und Zusammenleben nicht nach Schema F funktionieren müssen. Meister Eder hat uns das beigebracht. Unabsichtlich, vermutlich. Aber trotzdem.
Man muss das nicht überstrapazieren. Pumuckl und Meister Eder hatten natürlich keine „Botschaft“ im modernen Sinne. Aber manchmal steckt die beste Erziehung genau da, wo niemand aktiv erzogen hat.
In diesem Sinne: Danke, Meister Eder. Du warst wohl progressiver als du selbst wusstest.



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