Willkommen im vielleicht ehrlichsten, kritischsten und gnadenlosesten Blogbeitrag, den du auf Offen Gesprochen lesen wirst. Und ja, du wirst dich vielleicht ertappt fühlen oder lachen oder innerlich schreien. Alles legitim.
Denn heute geht’s um ein Phänomen, das in der österreichischen Gastro-Szene mittlerweile schlimmer wütet als eine Wespenplage im Schanigarten: Food Influencer:innen, die glauben, sie wären nur dann relevant, cool oder irgendwie international, wenn sie mehr Englisch als Deutsch sprechen.
Spoiler: Ihr seid es nicht.
Die neue Influencer-Krankheit: Random English Injection Disorder
Es ist wie ein Reflex. Ein unkontrollierbarer Zwang. Ein sprachlicher Tick. Kaum geht die Kamera an, wird aus einem ganz normalen Satz ein wildes Denglisch-Gulasch ohne Sinn, ohne Stil und ohne Verständnis für das, was da eigentlich gesagt wird.
Man möchte sich ein Video anschauen, in dem jemand ein Lokal besucht, und bekommt stattdessen einen sprachlichen Totalschaden serviert.
„This place is so lit und der Cheese ist so melty, ich schwör, das ist next level.“
Nein. Einfach nein.
Das ist kein „melty cheese“. Das ist Schmelzkäse. Und in 99 Prozent der Fälle nicht einmal echter Käse, sondern industriell hergestelltes Gelb mit Konsistenzproblemen.
Ja, Fries statt Pommes Frites, okay. Burger Buns statt Weckerl, meinetwegen. Das sind etablierte Begriffe, die sich eingebürgert haben. Damit kann man leben.
Aber wenn plötzlich alles zwanghaft auf Englisch passieren muss, dann wird es unerquicklich.
Wo das Ganze kippt und einfach nur noch peinlich wird
Es klingt nicht international, sondern lächerlich
Wirklich gute Content Creator:innen brauchen kein sprachliches Blendwerk. Sie wirken durch Persönlichkeit, Haltung und Authentizität. Wer aber englische Begriffe verwendet, deren Bedeutung er oder sie offensichtlich nicht kennt und einfach „random“ reinwirft, wirkt nicht cool, sondern orientierungslos und lächerlich.
Das ist kein Stilmittel. Das ist pure Lächerlichkeit mit Filter.
Es ist eine sprachliche Vergewaltigung
Ja, dieses Wort ist hart. Aber genau so fühlt es sich an, wenn Deutsch und Englisch ohne jedes Feingefühl zusammengeschmissen werden.
Österreichisches Deutsch ist lebendig, direkt, oft derb, manchmal poetisch und immer ehrlich. Warum sollte man diese Sprache zerstückeln, nur um auf Social Media ein bisschen internationaler zu wirken?
Sprache ist Kultur. Wer sie verunstaltet, verliert beides.
Ihr helft der Gastro-Szene damit kein bisschen
Viele Food Influencer:innen behaupten, sie wollen die heimische Gastro beleben, pushen, supporten. Gleichzeitig reden sie so, als wären sie auf einem schlecht übersetzten US-Food-Kanal gelandet.
Die meisten Lokale leben zwar vom Tourismus, aber eure Zielgruppe sind Österreicher:innen. Menschen, die hier leben, hier essen gehen und hier Empfehlungen suchen.
Wenn ihr redet, als würdet ihr euch selbst nicht ernst nehmen, nimmt euch auch sonst niemand ernst.
Der Tiefpunkt: Wenn sogar das Englisch falsch ist
Ab hier wird’s nur noch schmerzhaft.
„Diese Fries sind so super crunchy.“
„Die Sauce ist spicy but also mit sweet vibes.“
„This is like the most juiciest Burger ever.“
Das ist kein Englisch. Das ist sprachlicher Unfallbericht.
Wenn man schon glaubt, man müsse Englisch sprechen, dann bitte zumindest richtig. Oder man lässt es einfach gleich bleiben.
Das Essen ist nicht das Problem, sondern die Inszenierung
Ja, manche essen wie Pferde. Ja, manche filmen jede Mahlzeit, als wäre es ein Naturdokumentationsfinale. Aber das eigentliche Problem ist nicht das Essen.
Das Problem ist die Selbstinszenierung.
Ein Lokal ist gut, weil es gut ist. Nicht, weil jemand mit ein paar hundert Followern hineinruft: „Guys, this Spot ist literally insane.“
Dein Spot ist ein Beisl in Favoriten. Und das ist auch gut so. Aber bitte bleib realistisch.
Eine kleine, dringende Bitte an euch, liebe Food Influencer:innen
Verwendet englische Begriffe dort, wo sie Sinn ergeben. Fries, Burger Buns, okay.
Aber hört bitte auf mit:
„Die Fries sind so crispy.“
„Das Gurkerl ist voll pickly.“
„Das Meat ist so juicy.“
Das ist kein Content. Das ist Fremdscham.
Redet normal. Redet verständlich. Redet in einer Sprache, die ihr beherrscht.
Warum dieser Beitrag nötig war
Weil es nicht darum geht, jemanden persönlich anzugreifen. Es geht darum, eine Entwicklung zu stoppen, die einfach nur lächerlich ist.
Essen ist Kultur. Sprache ist Kultur. Wer beides ernst nimmt, behandelt beides mit Respekt.
Wenn wir glauben, alles auf Englisch klingt automatisch besser, moderner oder hochwertiger, dann machen wir uns selbst kleiner, als wir sind.
Fazit: Reißt euch bitte zusammen
Wien ist international, ja. Aber Wien ist auch ehrlich, direkt und unverstellt. Genau das macht diese Stadt aus.
Wenn ihr die Gastro-Szene unterstützen wollt, dann tut das. Aber nicht, indem ihr klingt wie eine automatische YouTube KI-Übersetzung.
Esst euren Burger.
Filmt eure Story.
Sagt, ob es schmeckt oder nicht.
Aber bitte sagt es in einer Sprache, die Sinn ergibt.



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