Noch ein Einkaufszentrum für Eisenstadt – weil Leerstand so schön aussieht.
Eisenstadt bekommt ein fünftes Einkaufszentrum – in der ehemaligen Kika-Filiale. Dabei hat die Stadt bereits vier davon, darunter das SCM, das mehr Leerstand als Betrieb kennt. Trotzdem plant die Supernova Group munter weiter. Wer profitiert wirklich davon – und wer zahlt am Ende die Rechnung?

von | Feb. 19, 2026 | Echo

Es ist raus. Die ehemalige Kika-Filiale in Eisenstadt wird zum Einkaufszentrum. Die Grazer Supernova Group – bekannt dafür, nach der Kika/Leiner-Pleite sämtliche Filialen in ganz Österreich aufgekauft zu haben – will dort noch in der ersten Maihälfte ein Indoor-Shoppingcenter eröffnen. Supermarkt, Diskonter, Nagelstudio, Restaurants, Dienstleister – das volle Programm also.

Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht. Auf den zweiten Blick fragt man sich aber: Wozu?

Wir haben das doch schon. Viermal.

Wer Eisenstadt kennt, weiß: Diese Stadt ist nicht gerade unterversorgt, wenn es ums Einkaufen geht. Der Haidäcker Park, das EZE – das Einkaufszentrum Eisenstadt –, der Stop-Shop an der Ruster Straße und das SCM auf der Mattersburger Straße decken gemeinsam so ziemlich alles ab, was man braucht. Lebensmittel, Bekleidung, Kosmetik, Fachgeschäfte, Gastronomie. Alle vier bieten ein breites Sortiment, alle vier sind gut erreichbar, und alle vier sind sich ehrlich gesagt ziemlich ähnlich.

Dazu kommen noch jede Menge Diskontläden im Stadtgebiet: Action, KIK, Tedi und Co. machen das Angebot komplett.

Und jetzt? Machen wir das Ganze ein fünftes Mal. Mit denselben Shops, denselben Konzepten, derselben Zielgruppe.

Das SCM zeigt, wohin das führt

Man muss gar nicht weit in die Zukunft schauen, um zu sehen, wie so etwas ausgeht. Das SCM auf der Mattersburger Straße ist ein mahnendes Beispiel: mehr Leerstand als Betrieb. Was einmal als belebtes Zentrum geplant war, ist heute ein Bild des Scheiterns – und das mitten in Eisenstadt. Es ist bereits eines der vier bestehenden Einkaufszentren, und es funktioniert offensichtlich nicht.

Aber nein, daraus lernt man offenbar nicht.

Vier Baumärkte. Jetzt fünf Einkaufszentren.

Eisenstadt treibt diese Logik schon länger auf die Spitze. Man stelle sich vor: In dieser kleinen Landeshauptstadt – und ja, Eisenstadt ist wirklich klein, außerhalb der Geschäftszeiten ist dort nicht viel los – betreiben Hornbach, Lagerhaus, OBI und Hagebau-Fetter vier Baumärkte. Vier. In einer Stadt, in der man von einem Ende zum anderen vielleicht 10 Minuten mit dem Auto braucht. .

Jetzt wiederholt sich das im Einkaufszentrumsbereich. Fünf Shoppingcenter für eine Stadt dieser Größe? Das ist kein Wachstum. Das ist ein Verdrängungskampf, der auf Kosten aller ausgetragen wird.

Wer dahintersteckt – und was das wirklich bedeutet

Die Supernova Group hat nach der Benko-Pleite die Kika/Leiner-Ruinen zu Schnäppchenpreisen aufgekauft. Günstig war der Kaufpreis vermutlich – ein echter Discountpreis aber wohl auch nicht. Was hier läuft, riecht stark nach einem klassischen Investorenspiel: Objekt günstig kaufen, ein paar Mieter reinholen, die laufenden Kosten damit teilfinanzieren, den Kaufpreis steuerlich abschreiben – und in fünf, sechs Jahren weiterverkaufen oder schlicht stehen lassen.

Das Ergebnis? Eine weitere potenzielle Bauruine in Eisenstadt. Eine mehr, die irgendwann wieder an den nächsten Investor geht.

Der Kampf, den niemand gewinnt – außer den Großen

Was jetzt beginnt, ist ein brutaler Verdrängungskampf im Eisenstädter Einzelhandel. Welche Shops überleben? Wer macht wo zu? Wer verliert seine Stammkundschaft, weil die drei Straßen weiter dasselbe für vielleicht einen Euro weniger angeboten wird?

Die Antwort liegt auf der Hand: Die Kleinen verlieren. Private Händlerinnen und Händler, die seit Jahren in dieser Stadt verwurzelt sind, können mit den Mietkonditionen und dem Marketingbudget von Großinvestoren schlicht nicht mithalten.

Am Ende beherrschen nur noch Konzerne den Markt. Und genau das wollte eigentlich niemand.

Einen auf Großstadt machen – in einer Kleinstadt

Das eigentliche Problem ist der fehlende Realismus. Man versucht Eisenstadt zu einem wirtschaftlichen Zentrum auf dem Niveau von Wiener Neustadt oder gar Wien zu machen. Mit Baumärkten, Einkaufszentren, Diskontern, wieder Einkaufszentren. Aber Eisenstadt ist keine Großstadt. Und das ist auch gut so – solange man damit aufhört, es mit Gewalt dazu machen zu wollen.

Wer Eisenstadt wirklich stärken will, sollte nicht das fünfte Shoppingcenter eröffnen. Sondern dafür sorgen, dass die bestehenden Standorte gut funktionieren, die Innenstadt lebt und kleine Betriebe eine Chance haben.

Stattdessen: Griff ins Klo. Fünftes Einkaufszentrum. Man kann nur noch den Kopf schütteln.


Was denkt ihr? Braucht Eisenstadt wirklich ein fünftes Einkaufszentrum – oder ist das genauso überflüssig, wie es klingt? Schreibt’s in die Kommentare.

Quelle: ORF Burgenland, 19.02.2026

Daniel

Daniel, ein 80er-Jahrgang mit 90er-Jahre-Vibes aus dem Burgenland, hatte schon als Kind mehr Ideen, als die Tapeten Platz boten. Technologie fand er cooler als jedes Tamagotchi. Sein Plan: Die Welt ein bisschen bunter machen und dabei nicht auf zu viele Regeln achten.

verfasst von: <a href="https://offen-gesprochen.at/author/og_admin" target="_self">Daniel</a>

verfasst von: Daniel

veröffentlicht am: 19. Februar 2026

Daniel, ein 80er-Jahrgang mit 90er-Jahre-Vibes aus dem Burgenland, hatte schon als Kind mehr Ideen, als die Tapeten Platz boten. Technologie fand er cooler als jedes Tamagotchi. Sein Plan: Die Welt ein bisschen bunter machen und dabei nicht auf zu viele Regeln achten.

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