Das AMS Burgenland geht davon aus, dass die Arbeitslosenquote 2026 sinken wird. Klingt gut. Beruhigend sogar. Leider hat diese Prognose ungefähr so viel Bodenhaftung wie ein Wetterbericht aus dem Jahr 1998. Wieder einmal beweist das Arbeitsmarktservice, dass zwischen Zahlen, Realität und Zukunftsverständnis eine ordentliche Lücke klafft.
Denn wer glaubt, dass 2026 ein entspanntes Jahr für den Arbeitsmarkt wird, ignoriert entweder bewusst die Entwicklungen der letzten Jahre – oder lebt in einer Parallelwelt mit stabilem Wirtschaftswachstum, sinkenden Preisen und einem Arbeitsmarkt ohne Strukturprobleme.
Drei Jahre Anstieg – aber jetzt plötzlich die Trendwende?
Laut dem Beitrag von burgenland.orf.at, der sich auf Aussagen des AMS Burgenland stützt, ist die Lage zwar „angespannt“, aber es wird trotzdem eine Trendwende erwartet. Nach drei Jahren steigender Arbeitslosigkeit soll es nun bergauf gehen. Begründung: ein kleines Wirtschaftswachstum und die Pensionierungswelle der Babyboomer.
Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Ohne Regen wäre ich heute nicht nass geworden.
Ja, ohne Pensionierungen wären die Zahlen schlechter – aber genau das ist ja das Problem. Das ist kein nachhaltiger Erfolg, sondern reine Demografie-Kosmetik.
Teuerung frisst Jobs – und Hoffnung gleich mit
Während das AMS optimistische Kurven zeichnet, kämpfen Menschen real mit massiven Teuerungen. Mieten, Energie, Lebensmittel – alles teurer, nur die Löhne hinken hinterher. Unternehmen reagieren darauf nicht mit Neueinstellungen, sondern mit Einsparungen, Zurückhaltung, schlichtem Personalabbau oder stellen „günstigeres“ Personal aus dem EU-Ausland ein.
Gerade im Burgenland, wo viele Arbeitsplätze in Handel, Produktion und Dienstleistungen angesiedelt sind, ist die Lage fragil. Und genau diese Branchen werden laut AMS selbst als rückläufig eingestuft. Die logische Frage lautet also:
Woher sollen dann bitte die neuen Jobs kommen?
KI kommt nicht – sie ist längst da
Ein Punkt, den das AMS in seiner Prognose fast völlig ausblendet, ist der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz. KI ersetzt nicht „irgendwann“ Arbeitsplätze – sie tut es jetzt. Vor allem in Verwaltung, Kundenservice, einfachen Bürotätigkeiten, Logistik und sogar im kreativen Bereich.
Das betrifft nicht nur Großkonzerne, sondern zunehmend auch kleinere Betriebe. Wer glaubt, dass diese Entwicklung den Arbeitsmarkt 2026 entlastet, hat entweder den Anschluss verpasst oder unterschätzt die Geschwindigkeit massiv.
Branchen mit Wachstum – aber für wen?
Ja, es gibt Bereiche mit Zuwächsen: Gesundheits- und Sozialwesen, öffentliche Verwaltung, wissenschaftliche Dienstleistungen. Das klingt gut – ist aber nur die halbe Wahrheit.
Diese Jobs erfordern oft:
- spezielle Ausbildungen
- Umschulungen
- körperliche oder psychische Belastbarkeit
- langfristige Qualifizierung
Menschen, die heute arbeitslos sind, können nicht automatisch morgen Pflegekräfte oder technische Expert:innen sein. Der Arbeitsmarkt ist kein Lego-Baukasten, den man beliebig neu zusammensetzt.
Vielleicht sollte das AMS selbst KI einsetzen – oder ersetzt werden?
Wenn Prognosen so weit an der Lebensrealität vorbeigehen, stellt sich eine provokante, aber berechtigte Frage:
Warum nicht gleich eine KI die Prognosen erstellen lassen?
So falsch wie diese Einschätzungen liegen, kann nicht einmal eine schlecht trainierte KI danebenliegen. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Führungsriege des AMS Burgenland kritisch zu hinterfragen – denn wer den Arbeitsmarkt verstehen soll, muss ihn auch fühlen, nicht nur berechnen.
Wenn man sich diese fast schon surrealen Prognosen ansieht, drängt sich ohnehin eine naheliegende Frage auf: Könnte man die komplette Führungsetage des AMS Burgenland nicht gleich durch KI ersetzen? Rein datenbasiert würde sie vermutlich näher an der Realität liegen. Und wer weiß – vielleicht wäre genau das sogar einmal eine tatsächlich positive Entwicklung für den Arbeitsmarkt.
Realität schlägt Statistik
2026 wird kein leichtes Jahr. Nicht für Arbeitssuchende. Nicht für Unternehmen. Und ganz sicher nicht für einen Arbeitsmarkt, der unter Teuerung, Automatisierung und strukturellen Problemen leidet.
Optimismus ist gut. Realitätsverweigerung ist gefährlich.
Und genau hier liegt das eigentliche Problem des AMS Burgenland: Man verkauft Hoffnung auf Basis von Annahmen – statt sich ehrlich mit der Zukunft auseinanderzusetzen.
Quelle
Bericht von ORF Burgenland:
https://burgenland.orf.at/stories/3339717/
Vielleicht wäre weniger Schönrechnen und mehr Ehrlichkeit ein erster Schritt. Für 2026. Und für all jene, die nicht in Prognosen leben, sondern im echten Leben.



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