Germany’s Next Topmodel – eine Sendung, die seit Jahren zur besten Sendezeit läuft, bunte Bilder produziert, Tränen und Glamour verspricht – und doch im Kern eine der brutalsten Formen moderner Unterhaltung ist. Was hier Woche für Woche über die Bildschirme flimmert, ist keine harmlose Castingshow. Es ist eine öffentlich inszenierte Menschenverdichtung, bei der psychische und physische Erniedrigung zum System gehört. Eine Maschine, die junge Menschen in willige, gefügige Objekte der Modeindustrie verwandelt – und das unter der Aufsicht einer Frau, die es eigentlich besser wissen müsste: Heidi Klum.
Eine Show, die nicht schön, sondern toxisch ist
Was als scheinbarer Karrierebooster beginnt, ist in Wahrheit ein perfides Spiel mit den Hoffnungen junger Menschen – zumeist junger Frauen. Sie kommen mit Träumen, mit Ambitionen, mit Visionen. Doch was sie erwartet, ist ein Format, das sie systematisch bricht.
Demütigungen vor laufender Kamera, Zwang zu ständigen Umstylings, Bodyshaming unter dem Deckmantel professioneller Kritik, ein toxisches Konkurrenzklima unter künstlich erzeugtem Zeitdruck – das alles ist kein Kollateralschaden, sondern Teil des Konzepts. Wer sich widersetzt, wird aussortiert. Wer mitspielt, wird belohnt – zumindest vorübergehend.
Psychischer Druck als Werkzeug
Die Teilnehmer:innen werden in ein emotionales Wechselbad geworfen: heute Lob, morgen Tadel, übermorgen Tränen. Freundschaften werden zerstört, Charaktere manipuliert, Persönlichkeiten gebrochen. All das für gute Quoten und ein bisschen Drama im Abendprogramm. Dabei werden Menschen psychisch regelrecht dressiert – wie Zirkustiere, nur dass das Publikum nicht merkt, dass es hier nicht um Kunst, sondern um Kontrolle geht.
Wer GNTM verfolgt, sieht nicht nur Mode, sondern vor allem psychologische Kriegsführung im rosa Glitzerkleid. Es geht um Anpassung, um Kontrolle, um das systematische Verlernen von Selbstachtung. Nur wer sich vollständig fügt, darf bleiben.
Körperliche Erniedrigung unter Applaus
Neben dem psychischen Druck kommt auch der physische Aspekt nicht zu kurz. Hungern, stundenlange Shootings unter extremen Bedingungen, ständiges Umziehen, Posing in schmerzhaften High Heels auf unsicheren Untergründen, Shoots in kaltem Wasser, halbnackt im Winter – all das wird nicht als Problem, sondern als „Challenge“ verkauft. Wer zögert, ist nicht professionell. Wer Schmerzen hat, ist nicht stark genug.
Eine Show, die das Leiden ihrer Teilnehmer:innen als Unterhaltung verkauft, ist keine Castingshow – sie ist eine gut getarnte Form der öffentlichen Misshandlung.
Die Normalisierung falscher Ideale
GNTM vermittelt Werte, die brandgefährlich sind. Es geht nicht um Diversität, auch wenn das neuerdings gerne behauptet wird. Es geht um ein Ideal: dünn, gefügig, leidensfähig, stets bereit zur Selbstoptimierung. Was als Empowerment-Show verkauft wird, ist in Wahrheit ein Propagandainstrument der Konsum- und Modeindustrie. Es geht darum, perfekte Konsument:innen zu schaffen – Menschen, die bereit sind, alles zu tun, um dazu zu gehören.
Dabei werden junge Menschen über Jahre hinweg mit einem falschen Selbstbild geimpft. Sie glauben, nur dann etwas wert zu sein, wenn sie einem bestimmten Ideal entsprechen. Ein Ideal, das weder gesund noch realistisch ist – und das zu Essstörungen, Selbstzweifeln und Depressionen führen kann.
Die Rolle von Heidi Klum – Täterin mit Wissen
Und mitten in diesem perfiden System steht Heidi Klum – lächelnd, über allem thronend, scheinbar unantastbar. Eine Frau, die selbst in den USA eine Karriere gemacht hat. Eine, die wissen müsste, wie brutal, unmenschlich und ausbeuterisch die Modewelt sein kann. Eine, die diese Mechanismen nicht nur kennt, sondern sie nun in ihrer Show perfektioniert hat.
Heidi Klum spielt nicht nur mit – sie dirigiert. Sie ist nicht Opfer des Systems, sie ist das System. Ihre Rolle ist nicht die der Mentorin, sondern der strengen Aufseherin. Wer gefallen will, muss sich ihr unterordnen. Wer aufmuckt, fliegt.
Dass ausgerechnet sie – jemand, der selbst den steinigen Weg nach oben erlebt hat – nun dabei hilft, andere auf diesem Weg zu zerbrechen, ist ein moralischer Abgrund, der kaum zu fassen ist.
Die Fashion-Industrie als moderne Sklaverei
Was GNTM zeigt, ist ein Lehrbuchbeispiel für strukturelle Ausbeutung. Junge Menschen werden gebrochen, um sie zu funktionierenden Zahnrädern einer milliardenschweren Industrie zu machen. Sie sollen schön sein, angepasst, beliebig – aber niemals unbequem. Sie werden reduziert auf Körper und Verhalten, gedrillt wie in einer Kaserne, vertraglich gebunden wie Leibeigene.
Und all das unter dem Deckmantel der Chance auf Ruhm und Erfolg – eine Chance, die für die allermeisten nie eintritt. Stattdessen bleiben seelische Narben, mediale Bloßstellung und das Gefühl, versagt zu haben.
Ein System, das wir nicht länger dulden dürfen
Germany’s Next Topmodel ist keine harmlose Unterhaltung. Es ist ein Symptom einer Gesellschaft, die noch immer lieber auf perfekte Körper als auf gesunde Seelen schaut. Es ist eine Schule der Selbstverleugnung, ein Ort, an dem junge Menschen lernen, dass ihr Wert von der Meinung anderer abhängt.
Diese Show gehört nicht reformiert – sie gehört abgeschafft. Und Heidi Klum gehört nicht gefeiert – sie gehört zur Verantwortung gezogen.
Denn wer mitmacht an einem System, das Menschen bricht, sie öffentlich vorführt und dabei noch Profit macht, ist nicht neutral, sondern Täter:in. Und es wird Zeit, dass wir das endlich offen aussprechen.
offen-gesprochen.at steht für klare Worte, unbequem und ehrlich. Wenn Du selbst Erfahrungen mit solchen Formaten gemacht hast oder einfach nicht mehr schweigen willst – schreib mir. Denn Schweigen ist das Fundament, auf dem solche Systeme gebaut sind.
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