Es gibt noch nicht einmal einen richtigen Begriff dafür, wenn jemand einen zwanghaften Drang entwickelt, alles nach sich selbst zu benennen. Dabei wäre er längst fällig. Denn Donald Trump hat ihn verdient.
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Jänner 2025 hat Trump systematisch daran gearbeitet, seinen Namen in die physische und symbolische Substanz der Vereinigten Staaten einzuschreiben. Das beginnt bei den offensichtlichen Dingen: Der Golf von Mexiko heißt heute offiziell „Gulf of America“ – per Exekutivorder, unterzeichnet am Tag seiner Amtseinführung. Trump hatte ursprünglich erwogen, ihn „Gulf of Trump“ zu nennen. Er entschied sich dann für die nationalistischere Variante. Die Geste bleibt dieselbe.
Das Kennedy Center for the Performing Arts – benannt nach einem ermordeten Präsidenten, vom Kongress explizit als dessen Gedenkstätte gewidmet – trägt jetzt den Namen „Trump Kennedy Center“. Trumps Gefolgsleute übernahmen den Vorstand, stimmten für die Umbenennung, und der Name wurde in die Fassade graviert. Eine Klage ist anhängig. Das U.S. Institute of Peace wurde ebenfalls umbenannt: in „Donald J. Trump Institute of Peace“. Sein Konterfei hängt als Banner an Bundesgebäuden in Washington. Sein Gesicht ziert den Jahrespass für Nationalparks – und wer das Bild unkenntlich macht oder überdeckt, dem wird der Pass laut National Park Service nicht anerkannt.
Und seit dieser Woche steht fest: Trumps Unterschrift wird auf dem amerikanischen Papiergeld erscheinen. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA. Es ersetzt die Unterschrift der Schatzmeisterin – eine Tradition, die seit 165 Jahren ungebrochen war.
Was Trump betreibt, ist klinisch fassbarer als es zunächst wirkt. Hinter dem Zwang, die eigene Person dauerhaft in Institutionen, Landschaften und Symbole einzuschreiben, steckt eine narzisstische Grundstruktur: überhöhtes Selbstbild, exzessives Bedürfnis nach Bewunderung, Unfähigkeit, Kritik zu tolerieren.
Wenn Größenwahn keine Grenzen kennt
Und dann war da noch die Straße von Hormus. Bei einem Investorenforum in Miami diese Woche bezeichnete Trump die strategisch wichtigste Ölroute der Welt als „Strait of Trump“ – um sich sofort mit gespielter Reue zu korrigieren: „Entschuldigung, so ein schrecklicher Fehler.“ Was folgte, war bezeichnend: „Die Fake-News werden sagen, er hat das aus Versehen gesagt. Nein. Bei mir gibt es keine Versehen.“ Hinter den Kulissen, so berichten mehrere Medien, prüft seine Regierung tatsächlich ernsthaft eine Umbenennung – entweder nach ihm persönlich oder nach den USA. Selbst ehemalige Mitarbeiter aus seinem eigenen Lager zeigen sich besorgt. Es werde „ermüdend und geschmacklos“, zitiert die New York Post einen früheren Regierungsbeamten.
Man könnte das alles als übersteigerte Eitelkeit abtun. Das wäre ein Fehler – und es wäre auch zu kurz gedacht.
Denn dieser Zwang zur Selbstbenennung ist nur ein Symptom. Daneben steht die Trump Gold Card: eine Art Greencard de luxe, für fünf Millionen Dollar, die reichen Ausländern bevorzugten Zugang zu den USA verschaffen soll. Der amerikanische Staat als exklusives Premiumprodukt, mit dem Markennamen des Präsidenten darauf. Und Investmentkonten für Neugeborene, die bezeichnenderweise „Trump Accounts“ heißen. Es ist dieselbe Logik: Der Staat wird zur Verlängerung der Marke Trump.
Was Trump betreibt, ist klinisch fassbarer als es zunächst wirkt. Hinter dem Zwang, die eigene Person dauerhaft in Institutionen, Landschaften und Symbole einzuschreiben – steckt eine narzisstische Grundstruktur: überhöhtes Selbstbild, exzessives Bedürfnis nach Bewunderung, Unfähigkeit, Kritik zu tolerieren. Die Associated Press weigerte sich, den Golf von Mexiko umzubenennen – und wurde aus Pressekonferenzen im Weißen Haus ausgesperrt. Das ist keine Laune. Das ist Konsequenz. Und dahinter steckt Größenwahn im eigentlichen Sinne: die ungerechtfertigte Überzeugung, so bedeutend zu sein, dass die Welt dauerhaft die eigene Spur tragen muss.
Wer bei all dem noch an der geistigen Klarheit des Mannes zweifelt, hat gute Gründe dafür. Ein Präsident, der mitten in einem aktiven Krieg am Golf – während Öltanker umgeleitet werden und die Energiepreise steigen – öffentlich darüber sinniert, eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt nach sich selbst zu benennen, hat offensichtlich andere Prioritäten als die Realität.
Ein Muster, das die Geschichte kennt
Was in den USA gerade geschieht, folgt einem Muster, das Historiker sehr gut kennen. Es sind die Markierungen eines Personenkults: die schrittweise Überblendung des Staates mit der eigenen Person, die Ersetzung institutioneller Symbole durch das Bild des Führers, die Normalisierung der eigenen Omnipräsenz im öffentlichen Raum. Mussolini ließ sein Konterfei auf Briefmarken drucken. Nordkoreas Kim-Dynastie hat ganze Landschaften nach sich benannt. Saddam Hussein ließ sein Gesicht auf irakische Dinare drucken. Und im Dritten Reich wurden ab 1933 unzählige Straßen, Plätze und Gebäude nach Adolf Hitler benannt – nicht weil er es befohlen hätte, sondern weil seine Gefolgsleute, Gauleiter, Bürgermeister, lokale Parteistrukturen, einander darin zu überbieten versuchten, ihm zu gefallen. Das ist, historisch betrachtet, das eigentlich Unheimliche am Personenkult: Er braucht keinen Befehl. Er organisiert sich selbst. Die Parallelen sind nicht zufällig. Sie folgen derselben Logik: Wer allgegenwärtig ist, scheint unersetzlich.
Trump Tower, Trump Hotels, Trump Steaks, Trump University – das war einmal privates Branding, fragwürdig, aber legal. Jetzt ist es Staatspolitik. Und das ist der entscheidende Unterschied.
Die Selbstinszenierung ist dabei so alt wie Autokratie selbst. Jeder autoritäre Herrscher, der sich je an der Macht festgekrallt hat, wusste: Wer das kollektive Gedächtnis kontrolliert, kontrolliert die Gegenwart. Namen sind Macht. Denkmäler sind Macht. Das Gesicht auf der Banknote ist Macht. Es geht nicht darum, erinnert zu werden – es geht darum, unauslöschlich zu sein.
Die Frage, die sich stellt, ist nicht mehr, ob Trump diesen Weg geht – er geht ihn bereits. Die Frage ist, wie weit er noch gehen wird, und wer ihn aufhält.



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