Ab dem 10. April 2026 gibt es in den USA kein einfaches Werbefrei-Upgrade mehr bei Amazon Prime Video. Stattdessen: „Prime Video Ultra”. Klingt besser und kostet mehr. Und wird mit ziemlicher Sicherheit auch bei uns ankommen.
Was bisher galt: Wer in den USA kein Werbefernsehen im Wohnzimmer haben wollte, zahlte 2,99 Dollar Aufpreis pro Monat auf die ohnehin schon bestehende Prime-Mitgliedschaft. Überschaubar. Lästig, aber überschaubar.
Was ab April gilt: 4,99 Dollar für „Prime Video Ultra” — ein Plus von 67 Prozent beim Aufpreis allein. Wer Prime-Mitglied ist und werbefrei in 4K schauen will, zahlt künftig 19,98 Dollar pro Monat insgesamt. Und das für einen Dienst, der als Versand-Abo gestartet ist, bei dem Streaming ursprünglich einfach „dabei war”.
Was bekommt man für das Mehr?
Amazon verpackt die Preiserhöhung mit ein paar neuen Features: bis zu fünf gleichzeitige Streams statt bisher drei, bis zu 100 Downloads statt 25 — und 4K/UHD-Streaming, das künftig exklusiv dem Ultra-Tier vorbehalten sein soll.
Dieser letzte Punkt ist besonders frech. Bisher war 4K im Werbefrei-Abo inklusive — ohne großes Aufheben, ohne Sondertarif. Jetzt wird eine Funktion, die bereits existiert und die Nutzer bereits nutzen, aus dem bisherigen Angebot herausgeschnitten und in ein teureres Paket verlagert. Das ist keine Aufwertung. Das ist ein Downgrade des bisherigen Angebots, verkleidet als Upgrade.
Amazon selbst begründet den Schritt so: „Werbefrei zu streamen mit Premium-Features erfordert erhebliche Investitionen.” Eine Formulierung, die klingt wie eine Entschuldigung, aber eigentlich eine Ansage ist.
Und was bedeutet das für uns?
Aktuell gilt in Österreich und Deutschland: Prime-Mitgliedschaft kostet 8,99 Euro pro Monat, der Werbefrei-Aufpreis beläuft sich auf 2,99 Euro — macht zusammen 11,98 Euro monatlich für werbefreies Streaming.
Amazon hat selbst betont, dass der Ultra-Launch „vorerst nur in den USA” stattfindet. Aber wer die Vergangenheit kennt, weiß, was das bedeutet. Als Amazon 2024 Werbung in Prime Video einführte, begann das ebenfalls in den USA — und wenige Monate später war es auch in Deutschland und Österreich Realität. Es gibt keinen vernünftigen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders läuft.
Rechnet man die US-Ratio auf den DACH-Markt um, wäre ein Ultra-Aufpreis von rund 4,99 bis 5,49 Euro pro Monat die logische Konsequenz. Das würde das werbefreie Gesamtpaket auf etwa 13,98 bis 14,49 Euro pro Monat treiben — ein Anstieg von knapp 17 bis 21 Prozent gegenüber heute. Für ein Abo, das man ursprünglich wegen des kostenlosen Versands abgeschlossen hat und bei dem Videostreaming einfach dabei war.
Das Gericht hat schon etwas dazu gesagt
Was bei diesem ganzen Spielchen besonders pikant ist: Das Landgericht München I hat im Dezember 2025 geurteilt, dass Amazon seine Bestandskunden nicht einseitig von werbefreiem Streaming auf ein werbefinanziertes Modell umstellen durfte. Die Einführung von Werbung 2024 war laut Gericht keine zulässige Vertragsanpassung, sondern ein Eingriff in die vereinbarte Kernleistung.
Das Urteil ist relevant. Denn was Amazon jetzt in den USA macht, folgt exakt demselben Muster: Eine Funktion, die bisher Standard war — in diesem Fall 4K — wird aus dem bestehenden Angebot herausgekürzt und in ein neues, teureres Tier verlagert. Ob das rechtlich in Europa ohne Weiteres durchsetzbar ist, darf man zumindest laut bezweifeln.
Das eigentliche Problem
Es wäre unfair, Amazon allein an den Pranger zu stellen. Die gesamte Streaming-Branche hat in den letzten Jahren dieselbe Reise gemacht: erst günstig einsteigen, Marktanteile sichern, dann die Preise hochziehen. Netflix, Disney+ und Co — alle haben nachgezogen. Das Modell funktioniert, weil der Wechsel aufwendig ist, die Gewohnheit stark ist und weil man ja „nur” ein paar Euro mehr zahlt. Pro Monat. Bei vier oder fünf Diensten. Zusammengerechnet.
Amazon ist dabei besonders geschickt — oder besonders dreist, je nach Perspektive. Der Konzern hat Prime zu einem Ökosystem gemacht, aus dem man schwer herauskommt: Versand, Musik, Video, Rabattaktionen. Jede Preiserhöhung bei einem Bestandteil fühlt sich deshalb weniger dramatisch an, weil das Gesamtpaket noch immer „irgendwie günstig” wirkt. Das ist kein Zufall. Das ist Strategie.
„Prime Video Ultra” ist nicht das Ende dieser Entwicklung. Es ist die nächste Stufe. Und die übernächste kommt bestimmt.



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