Ein neuer Meilenstein der Bürokratie
Brüssel hat wieder zugeschlagen. Laut einer brandneuen, selbstverständlich „handverlesenen“ Studie – mit Diagrammen, Fußnoten und mindestens einer PowerPoint-Folie in Schriftgröße 6 – soll es künftig eine EU-Verordnung zur maximal höchstzulässigen Zeit für das eigene Liebesspiel geben. Von Beginn bis zum „finalen Handschlag“ sind exakt 11,5 Minuten vorgesehen. Nicht 11. Nicht 12. Sondern 11,5. Wissenschaft, du weißt schon.
Begründet wird das Ganze mit Arbeitsschutz. Das Handgelenk soll geschont werden, dass „Down Under“ nicht in unnötige Reibungsdiskussionen geraten und die Produktivität der Bürger:innen – vermutlich im Homeoffice – langfristig stabil bleibt. Europa denkt eben voraus. Und quer. Und manchmal sehr genau auf die halbe Minute.
Gleichstellung, aber bitte mit Stoppuhr
Man habe versucht, diese Zeit auch auf Frauen anzuwenden, heißt es aus gut informierten Kreisen. Nach mehreren Arbeitsgruppen, drei Runden Mediationsgesprächen und einem Catering, das besser war als die Ergebnisse, konnte man sich nicht einigen. Ergebnis: Für Frauen gilt die Zeit unendlich. Ein schöner Moment für die Gleichstellung – und ein herber für alle, die gehofft hatten, Brüssel würde hier einmal einfach nichts regeln.
Die 11,5 Minuten gelten übrigens inklusive Vorbereitung, mentalem Warm-up und dem kurzen Blick aufs Handy, ob eh niemand schreibt. Pausen? Nur mit Formular A-38. Verlängerung? Nur mit Attest. Verkürzung? Wird statistisch erfasst, aber nicht geahndet. Noch nicht.
Kontrolle ist besser
Natürlich stellt sich die Frage, wie das kontrolliert werden soll. Die EU dementiert Gerüchte über eine „Intimitäts-Stoppuhr-App“, die automatisch startet, sobald du „in den Modus wechselst“. Aber wir wissen alle: Wenn es eine Idee gibt, die zu kompliziert ist, um nicht umgesetzt zu werden, dann wird sie umgesetzt.
Im Gespräch sind auch neutrale Zeitwächter:innen, die diskret vor der Tür warten und bei 11:29 höflich husten. Bei 11:30 gibt es einen freundlichen Hinweis. Bei 11:31 einen mahnenden Blick. Bei 12:00 eine Fortbildung zum Thema „Effiziente Selbstorganisation im privaten Raum“.
Der Alltag mit der neuen Regel
Schon jetzt berichten Bürger:innen von ersten Anpassungen im Alltag. Smartwatches werden umprogrammiert. Kalender blocken vorsorglich 11,5-Minuten-Slots. Manche Arbeitgeber:innen denken laut darüber nach, die neue Verordnung als Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung aufzunehmen.
„Wir wollen ja nicht, dass sich jemand überlastet“, heißt es. Europa sorgt sich. Auch um dich. Besonders um dich. Und um dein Handgelenk.
Ein weiteres kleines Stück Ordnung
Am Ende reiht sich diese Verordnung nahtlos ein in eine lange Tradition europäischer Fürsorge. Es geht nicht um Kontrolle. Es geht um Schutz. Um Normierung. Um das gute Gefühl, dass selbst die intimsten Momente des Lebens irgendwo geregelt, definiert und zeitlich erfasst sind.
11,5 Minuten. Nicht mehr. Nicht weniger.
Europa hat entschieden. Und wie immer gilt:
Zu deinem Besten.



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