Es war ein Traum aus Licht, das durch die Grazer Altstadt tanzt und Klängen, die sich zwischen Hausfassaden verfangen. Nebel, der sich im Schein bunter Projektionen auflöst und Kinder, die mit großen Augen stehenbleiben. Erwachsene, die plötzlich wieder staunen können. Das war Klanglicht — und ich habe es 2025 zum ersten Mal erlebt und sofort geliebt.
Genau deshalb trifft mich die aktuelle Nachricht so hart.
Ab 2026 ist Klanglicht kostenpflichtig. 19 Euro im Vorverkauf, 24 Euro an der Abendkasse — in Graz. In Wien sogar 25 Euro. Dazu kein freier Stadtspaziergang mehr durch die Altstadt, sondern ein eingezäunter Schlosspark mit Timeslots und Einlasskontrollen. Das, was einmal offen, frei und für alle war, wird zum ticketpflichtigen Event mit Voranmeldung.
Ich nenne das, was es ist: eine Kack-Frechheit.
Kunst ist kein Premiumprodukt
Ich verstehe, dass Festivals Geld kosten. Laser, Licht, Personal, Technik — das ist alles andere als billig. Das weiß ich. Aber genau das war ja das Besondere an Klanglicht: Es hat jahrelang funktioniert. Es hat Zehntausende Menschen erreicht, jung und alt, mit und ohne dickes Geldbörsel. Man ist einfach spazieren gegangen, um die Ecke gebogen, und plötzlich war man mittendrin in etwas Außergewöhnlichem.
Dieses Prinzip war kein Zufall. Es war eine Haltung. Kunst gehört in den öffentlichen Raum, nicht hinter Drehkreuze.
Und jetzt? Jetzt muss eine Familie mit zwei Kindern locker 80 bis 100 Euro hinblättern, um gemeinsam ein Lichtfestival zu besuchen. In einer Zeit, in der viele Menschen jeden Euro zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. In einer Zeit, in der Kultur für immer mehr Menschen zum Luxus wird — nicht weil sie sie nicht wollen, sondern weil sie sie sich schlicht nicht mehr leisten können.
Was mich noch mehr stört
Es wird nicht nur teurer. Es wird auch kleiner — im Geist.
Der Reiz von Klanglicht war nicht zuletzt die Stadt selbst. Die Installationen inmitten von Gassen, auf Plätzen, an Fassaden. Das zufällige Entdecken. Das Gefühl, dass die Kunst überall ist, nicht nur dort, wo man bezahlt hat. Schloss Eggenberg ist schön. Aber ein Schlosspark ist kein öffentlicher Raum. Es ist eine kontrollierte Kulisse.
Und Timeslots? Das ist das Gegenteil von dem, was Klanglicht einmal war. Man möchte sich einfach treiben lassen, zurückgehen, nochmal schauen, nochmal lauschen. Ein Timeslot macht daraus einen Termin. Kunst mit Ablaufplan.
Es geht auch anders
In Wien zeigt das Museum of Change gerade, wie es gehen kann. Im Dominikanerhof der Posthöfe, dem ehemaligen Hauptpostgebäude in der Wiener Innenstadt, verwandeln über 50 Projektoren, Laser, Nebel und mehr als 100 Lautsprecher die historischen Barockfassaden jeden Abend von 20 bis 23 Uhr in ein KI-generiertes Licht- und Klangkunstwerk — kostenlos, ohne Ticket, ohne Timeslot. Zur vollen Stunde gibt es jeweils einen besonderen Höhepunkt in Form spezieller Licht- und Klangrituale. Einen interaktiven KI-Guide gibt es kostenpflichtig dazu, aber brauchen tut man ihn nicht — man saugt die Kunst, den Klang und die Atmosphäre einfach auf, und versteht trotzdem, worum es geht. Wer in Wien ist: Schau dir das an. Es ist schlicht atemberaubend.
Das zeigt: Es ist möglich. Man muss nur wollen.
Ich weiß nicht, wie die Finanzierung von Klanglicht genau aussieht, welche Förderungen es gibt oder nicht gibt, welche Verhandlungen gescheitert sind. Aber ich weiß: Spendenboxen wären möglich gewesen. Freiwillige Beiträge. Mehr Sponsoren. Kreativere Lösungen. Stattdessen hat man den einfachsten Weg gewählt — und dabei das Herzstück des Festivals geopfert. Für Infos schaut hier vorbei https://www.museumofchange.art/
Meine Entscheidung
Ich werde heuer nicht am Klanglicht teilnehmen. Nicht weil ich mir die 19 Euro nicht leisten könnte. Sondern weil ich diese Entwicklung nicht unterstützen möchte. Weil ich glaube, dass man mit jedem gekauften Ticket signalisiert: Das ist in Ordnung. Und das ist es für mich nicht.
Ich hoffe, dass die Verantwortlichen merken, was sie da gerade verlieren. Nicht Besucher — Bedeutung. Klanglicht war wichtig, weil es zugänglich war. Weil es niemanden ausgeschlossen hat. Weil es einfach da war, mitten in der Stadt, für alle.
Und ich hoffe, dass das „neue Konzept“ scheitert — und man sich wieder besinnt. Auf die Werte von Kunst. Und darauf, sie wieder für alle frei zugänglich zu machen.



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