Es ist ein Stromausfall, verdammt nochmal – kein Blackout!
Seit Jahren geistert ein Wort durch die österreichische Medienlandschaft: Blackout. Dabei handelt es sich schlicht um Stromausfälle. Doch Boulevard-Portale schüren mit diesem Begriff gezielt Panik und Angst. Ein aktuelles Beispiel vom Wiener AKH zeigt, wie lächerlich diese Hysterie ist. Zehn Minuten Stromausfall als dramatischer "Blackout" verkauft.

von | Feb. 12, 2026 | Echo

Ich kann es nicht mehr hören und auch nicht mehr lesen. Dieses eine Wort, das seit einigen Jahren durch die österreichische Medienlandschaft geistert wie ein Schreckgespenst: Blackout.

Wisst ihr, was das wirklich ist? Ein simpler, profaner, alltäglicher Stromausfall. Punkt. Mehr nicht.

Die Hysterie-Maschine läuft auf Hochtouren

Da wird ein Stromkabel bei Bauarbeiten unabsichtlich von einem Bagger durchtrennen – BLACKOUT! Ein Baum fällt bei einem Sturm auf eine Leitung – BLACKOUT! Jugendliche demolieren aus purer Dummheit einen Stromkasten – BLACKOUT! Wartungsarbeiten am Netz – natürlich, BLACKOUT!

Es ist zum Verzweifeln. Besonders zwei österreichische „Nachrichtenseiten“ – und ich setze dieses Wort bewusst in Anführungszeichen – haben sich auf diese widerliche Panikmache spezialisiert. Billig-Boulevard vom Feinsten.

Ein aktuelles Beispiel: Das AKH-Drama

Nehmen wir doch mal das jüngste Beispiel von heute: Im Wiener AKH fällt am 09. Februar 2026 der Strom aus. Ein technischer Defekt. Dauer? Zehn Minuten. Ja, richtig gelesen: ZEHN MINUTEN.

Und wie titelt man da? „TECHNIK-DEFEKT: Blackout im AKH! Patienten sitzen im Dunkeln“ – natürlich mit rotem „TECHNIK-DEFEKT“-Label, damit es auch ja dramatisch genug aussieht. Die Überschrift schreit nach Katastrophe, nach Chaos, nach „Schreckmoment“ (O-Ton im Artikel).

Was war passiert? Der Strom fiel aus, die Notfallsysteme sprangen an (weil genau dafür Krankenhäuser Notstromaggregate haben!), und nach zehn Minuten war alles wieder normal. Keine Gefahr für Patienten. Keine echte Krise. Nur ein kurzer technischer Ausfall, wie er überall passieren kann.

Aber das verkauft sich natürlich nicht so gut wie „BLACKOUT IM AKH!“ Mission accomplished: Klicks generiert, Angst geschürt, Verantwortung? Fehlanzeige.

Screenshot: oe24.at, 09.02.2026
Screenshot: oe24.at, 09.02.2026

Warum „Blackout“ kein harmloses Wort ist

Ihr denkt vielleicht: „Na und? Ist doch nur ein Wort.“ Falsch. Sprache formt Realität, und „Blackout“ ist ein gezielt gewählter Kampfbegriff. Er suggeriert das totale Chaos, den kompletten Zusammenbruch der Zivilisation, das Ende aller Ordnung. Er schürt Ängste, die politisch instrumentalisiert werden können – und werden.

Ratet mal, wer sich über diese Hysterie am meisten freut? Richtig: Die rechten Parteien, die seit Jahren predigen, wir seien nicht auf den „großen Blackout“ vorbereitet. Die erzählen, dass die Regierung mit ihrer Klimapolitik (keine AKWs und so) und den Elektroautos unser Stromnetz in den Abgrund treibt. Die warnen vor dem Untergang der Republik, während gleichzeitig ihr politisches Kapital aus der Angst wächst.

Elektroautos bringen uns also den Blackout? Ernsthaft? Das Netz wird seit Jahrzehnten ausgebaut, modernisiert, angepasst. Aber Fakten interessieren nicht, wenn man eine gute Panikstory hat.

Realitätscheck: Stromausfälle sind normal

Ja, manchmal fällt der Strom aus. Für eine halbe Stunde. Für ein paar Stunden. In seltenen Fällen auch mal einen Tag. Das ist normal. Das gehört zum Leben in einer technisierten Gesellschaft. Infrastruktur ist nicht unfehlbar.

Und ja, dann können Geschäfte nicht öffnen. Dann kann man nichts in der Mikrowelle aufwärmen. Dann läuft um 20:15 Uhr nicht der Tatort, und Herr und Frau Pensionist müssen ihre Nachmittagssendung verpassen. Das ist unangenehm. Das ist ärgerlich. Aber es ist kein Weltuntergang.

Wir haben Jahrtausende ohne Elektrizität überlebt. Ich glaube, wir schaffen auch ein paar Stunden.

Die Verantwortung der Medien

Was mich so massiv aufregt, ist diese verantwortungslose Berichterstattung. Diese pseudojournalistischen Portale schüren erst das Chaos, verbreiten Panik, und denken dann – vielleicht – nach. Oder auch nicht. Hauptsache, die Überschrift kracht.

Seriöser Journalismus würde einordnen, beruhigen, aufklären. Seriöser Journalismus würde zwischen einem lokalen Stromausfall und einem echten, flächendeckenden Blackout unterscheiden – von dem wir in Österreich übrigens meilenweit entfernt sind.

Aber warum sachlich berichten, wenn Angst so viel besser verkauft?

Mein Appell: Nennt die Dinge beim Namen

Liebe Medien: Es ist ein Stromausfall. Kein Blackout. Kein Apokalypse-Szenario. Kein Grund zur Panik.

Und an alle anderen: Lasst euch nicht verrückt machen. Wenn der Strom mal ausfällt, zündet eine Kerze an, holt das Brettspiel raus, oder – radikaler Gedanke – redet miteinander. Die Welt dreht sich weiter. Auch ohne Strom.

Es reicht. Diese Panikmache muss aufhören. Stromausfälle sind Teil unseres Alltags. Sie sind beherrschbar. Sie sind planbar. Und sie sind definitiv kein Grund, das Land in Angst und Schrecken zu versetzen.

Es ist ein Stromausfall. Punkt.


Was denkt ihr? Nervt euch diese Blackout-Hysterie auch, oder bin ich zu streng mit den Medien? Lasst es mich in den Kommentaren wissen – solange der Strom noch läuft. 😉

Daniel

Daniel, ein 80er-Jahrgang mit 90er-Jahre-Vibes aus dem Burgenland, hatte schon als Kind mehr Ideen, als die Tapeten Platz boten. Technologie fand er cooler als jedes Tamagotchi. Sein Plan: Die Welt ein bisschen bunter machen und dabei nicht auf zu viele Regeln achten.

verfasst von: <a href="https://offen-gesprochen.at/author/og_admin" target="_self">Daniel</a>

verfasst von: Daniel

veröffentlicht am: 12. Februar 2026

Daniel, ein 80er-Jahrgang mit 90er-Jahre-Vibes aus dem Burgenland, hatte schon als Kind mehr Ideen, als die Tapeten Platz boten. Technologie fand er cooler als jedes Tamagotchi. Sein Plan: Die Welt ein bisschen bunter machen und dabei nicht auf zu viele Regeln achten.

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