Österreich soll sich also ernsthaft überlegen, die Olympischen Winterspiele 2046 auszutragen. Eine Idee, die ausgerechnetjetzt auf den Tisch kommt. In einer Zeit, in der dir und mir täglich erklärt wird, dass „leider kein Geld da ist“. Und genau hier beginnt das Problem.
Denn während Andreas Babler öffentlich darüber nachdenkt, Österreich für ein milliardenschweres Megaevent ins Rennen zu schicken, sieht die Realität für viele Menschen ganz anders aus. Da wird gespart, gestrichen, gekürzt – und zwar dort, wo es wirklich wehtut.
Sparen bis zum Anschlag – aber nicht bei Bablers Prestigeprojekten
Gesundheitswesen am Limit. Leistungen und Hilfen für Menschen mit Behinderungen werden ausgedünnt, zusammengestrichen und politisch auf die lange Bank geschoben. Pensionist:innen, denen man erklärt, dass „der Gürtel enger geschnallt werden muss“. Förderungen für E-Mobilität? Weg. Klimaschutz? Vertagt. Sozialleistungen? Gekürzt.
Die Begründung ist immer dieselbe: Wir können uns das nicht leisten.
Aber offenbar können wir es uns leisten, Millionen für eine Olympia-Bewerbung zu mobilisieren. Für Machbarkeitsstudien, internationale Lobbyarbeit, Infrastrukturprojekte, Sicherheitskonzepte und langfristige Verpflichtungen, die heute noch niemand seriös beziffern kann.
2046 – wer lebt dann eigentlich mit den Folgen?
Was diese Idee besonders absurd macht: Wir reden hier nicht von „bald“, nicht von „in ein paar Jahren“, sondern von in 20 Jahren. Eine Entscheidung, die kommende Generationen bindet, finanziell und politisch. Menschen, die heute noch nicht einmal wählen dürfen, sollen später die Rechnung zahlen.
Das ist nicht visionär. Das ist verantwortungslos.
Politik am Podium und Politik in der Realität
Besonders bitter wird es, wenn man sich vor Augen hält, dass derselbe Vizekanzler gemeinsam mit Bundeskanzler Stocker auf Pressekonferenzen steht und uns erklärt, warum dieser Sparkurs alternativlos sei. Warum wir alle Opfer bringen müssen. Warum es „keinen Spielraum“ gibt.
Und dann, fast im selben Atemzug, wird über Olympische Spiele fantasiert.
Das fühlt sich nicht nur widersprüchlich an.
Das fühlt sich wie Hohn an allen Österreicher:innen an!
Ein Denkmal für Bablers Ego?
Der Eindruck drängt sich auf, dass es hier weniger um Sport geht und mehr um Selbstdarstellung. Um das große Monument, das man sich politisch setzen will. Olympia als politisches Denkmal. Als Eintrag in die Geschichtsbücher.
Man traut es Andreas Babler ehrlich gesagt auch zu, dass er dann – im Jahr 2046, mit stolzen 73 Jahren – während der Olympischen Winterspiele als großer Schirmherr auftritt, sich feiern lässt und genüsslich darauf verweist, dass er es war, der damals den Stein ins Rollen gebracht hat. Dass er Österreich mit seiner Einreichung diese Spiele „ermöglicht“ hat.
Während die Kosten, die Folgen und die langfristigen Belastungen bei anderen hängen bleiben, bleibt ihm der Applaus. Ein klassischer politischer Move: Verantwortung nach unten, Ruhm nach oben.
Nur: Politik ist kein Denkmalbau. Politik ist Verantwortung. Und Verantwortung bedeutet, Prioritäten zu setzen, die mit der Lebensrealität der Menschen übereinstimmen.
Entschuldigung, nein danke
Wenn mir einer erzählt, wir müssen sparen, und im nächsten Moment von Olympischen Winterspielen träumt, dann fühle ich mich nicht ernst genommen. Dann fühle ich mich verarscht.
Und nein, das ist kein emotionaler Ausrutscher. Das ist eine vollkommen legitime Reaktion auf eine Politik, die den Kontakt zur Realität verloren hat.
Verarschen kann ich mich selbst. Dafür brauche ich keine Regierung.



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